Streifen DVA

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Gedanken zum Jahresende 2016

 

Gäbe es auf der Welt nur das Thema „DVA“, dann könnte ich jetzt einfach schreiben: „2016 war ein gutes Jahr.“

Aber die Welt dreht sich nicht wirklich um den DVA und dann müsste man – besonders auch nach der aktuellen Tragödie in Berlin – schreiben: „2016 war ein furchtbares Jahr.“

Während sich in Syrien und an anderen Kriegsschauplätzen dieser Welt nichts zum Besseren zu ändern scheint, entsteht in Europa (in der Türkei) gerade eine Diktatur und in den USA haben sich die verzweifelten Bürger bei der Wahl zwischen „Not und Elend“ für das Elend entschieden, das in Gestalt von Schmalzlocke Donald auch für den Rest der Welt zur schlimmen, ernst zu nehmenden Plage werden könnte.
In unserer zweiten Vereinsheimat, in Frankreich, könnte mit Madame Le Pen eine Nationalistin zur Präsidentin gewählt werden und bei uns in Deutschland hören auch immer mehr Verängstigte und Verzweifelte nur noch die Rufe der Populisten und ich fürchte dass Herr Höcke mit seiner Idee vom 30%-Potenzial der AFD nur ein klein wenig zu optimistisch ist.

Nach meiner Meinung ist diese unbegründete oder berechtigte Angst, diese teils sehr reale Not und diese ganze Unsicherheit – weltweit – eine Folge eines unmenschlichen Wirtschaftssystems, das zur Ersatzreligion geworden ist, dem Kapitalismus. Er treibt uns dazu die Umwelt auszubeuten bis an und möglicherweise über die Grenzen des Erträglichen. Vor Gott Mammon heit es auf die Knie zu gehen.

Da ist es nur wenig erbaulich, dass es sehr bedeutende Kapitalismuskritiker gibt, wie etwa Papst Franziskus, der sich nicht nur im Kleinwagen kutschieren lässt, in einer kleinen Wohnung lebt und mit den kleinen Leuten in der Mensa speist, sondern auch erkannt hat, warum die vielen Stellvertreterkriege geführt werden müssen – um dieses System im Endstadium am Leben zu erhalten. Und der dies dann sogar noch ausspricht. Aber dafür hat ihm dann ja das Haus Burda 2016 einen Bambi verliehen und ihn damit in eine Reihe mit Heroen wie Florian Silbereisen und Bastian Schweinsteiger gestellt. Ehre, wem Ehre gebührt.

Und gegen die wertarme, kapitalistische Lebensweise begehren dann Gläubige anderer Religionen auf und wollen ihre Machtansprüche durchsetzen, um die Deutungshoheit zurück zu gewinnen. So verstehe ich das Erstarken eines expansiven Islam, der die Welt zwangsbekehren möchte. Dass sich da Religion mit Politik vermischt und Untergruppen stärker bekämpft werden als die Un- oder Andersgläubigen, haben wir im ehemals extrem expansiven Christentum auch zur Genüge erlebt.

Ich persönlich versuche dennoch tolerant zu sein und bin für Religionsfreiheit – auch wenn ich Volker Pispers Meinung teile und mir wünsche, dass wir alle religionsfrei wären. Doch dies muss eine Utopie bleiben, wir Menschen schaffen es wohl nur durch Religionen – oder was wir dazu machen - überhaupt in Gruppengrößen von mehr als 150 Individuen zusammen zu leben, ohne uns die Köpfe einzuschlagen.

Wichtig wäre es, ein für alle akzeptables Wertesystem zu finden, das es uns erlaubt regional, national und global in Frieden zu leben. Kant hatte da einen interessanten Ansatz und die Aufklärung hat das böse Gesicht des mittelaterliches Christentums gewandelt.

Leider hat der Kapitalismus da nicht viel zu bieten, was ein friedliches Miteinander befördern könnte. Ich sehe nicht, wie das der freie Markt regeln könnte. Und die Annahme, es würde allen besser gehen, wenn wir nur die Marktkräfte sich frei entfalten ließen, werden nicht nur die Angehörigen der Opfer der zerstörten Textilfabrik in Bangladesh als völlige Fehleinschätzung bewerten. 

Friedliches Miteinander in kleinen, wie in großen Gruppen, braucht Kooperation und nicht Konkurrenzkampf. Und Zusammenarbeit braucht Vertrauen.

Aber mit der Angst wächst das Misstrauen. Nach dem Anschlag von Berlin waren sie dann aus bayerischen Unionskreisen und von der anderen AfD sofort wieder dabei Anschuldigungen zu äußern und damit Misstrauen zu säen. Dann sieht man in Reportagen, dass bei uns der Absatz von Schreckschusspistolen nahezu explosionsartig gestiegen ist. Wären andere Waffen erlaubt, würden wir uns wohl schnell auf den Weg zu amerikanischen Verhältnissen machen. Aber dort ist die häufigste Todesursache für junge Männer, gerade der Tod durch eine Kugel aus diesen Waffen.
Michael Moore hat es schon vor Jahren gezeigt, während auf der amerikanischen Seite der Grenze fast jeder bewaffnet ist, alle Häuser verrammelt sind und es dauernd Morde und Einbrüche gibt, ist auf der kanandischen Seite keine Tür abgeschlossen, fast niemand bewaffnet und der örtliche Polizeichef muss die Akten zu Rate ziehen, um sich überhaupt an das letzte Gewaltverbrechen zu erinnern.
In Indien gibt es einen Ort, in dem kein Haus überhaupt eine Tür hat, also nichts das man schließen oder gar abschließen könnte. Einbruchsquote: Null! Ist auch schwer, ein Schloss zu knacken, das es nicht gibt, könnte man jetzt witzeln, aber vielleicht ist es einfach gegenseitiges Vertrauen, das zu soviel Ehrlichkeit führt.

Vielleicht müssen wir alles mal von der anderen Seite denken, damit es Sinn gibt.

Wir müssen versuchen die verfahrene Situation mit Vertrauen zu retten. Und dieses Vertrauen muss immer als Vorschuss ausgezahlt werden – Ergebnis ungewiss, aber Hoffnung besteht.

Wenn wir dagegen weiter auf dem Weg des Misstrauens und der Angst gehen, gehen wir weiter auf dem Weg von Gewalt und Krieg – und welchen Preis man dafür zahlen muss, haben wir in Deutschland schon überaus reichlich erlebt.

Die einzig wahre Weihnachtsbotschaft muss heißen: Nehmen wir das Gebot der Nächstenliebe endlich ernst, denn Liebe basiert auf Vertauen. In diesem Sinn wünsche ich uns allen - weltweit - etwas mehr Licht und deutlich weniger Dunkel im Jahr 2017.