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Thema: CO2-Ausstoß

 

Wie ihr alle auf der Seite Naturschutz lesen könnt, machen wir uns in der Vereinsarbeit so unsere Gedanken, wie wir die "Erlebnissport-bedingten-CO2-Emissionen" gering halten können, um dann am Jahresende so wenig wie möglich kompensieren zu müssen, denn natürlich sind nicht emittierte Schadstoffe viel besser, als kompensierte.

Wenn man dann den Bereich Fahrleistung der Vereinsbusse anschaut, kommt da leider eine erhebliche Menge an Emissionen zu stande. Natürlich war beim Kauf unseres Nissan auch das ein Argument, denn der Primastar ist laut Herstellerangaben in seiner Klasse einer der Kleinbusse mit dem geringsten Verbrauch und damit CO2-Ausstoß. Nur muss man jetzt leider lesen, dass diese Angaben gelinde ausgedrückt "nicht wirklich sehr zuverlässlich" sind oder deutlicher ausgedrückt: Die getricksten Angaben der Hersteller sind in einer Art falsch, dass dies bereits eventuell den Tatbestand des Betruges erfüllt. Die DUH (Deutsch Umwelthilfe e.V.) prüft, ob und wen konkret sie verklagen kann.

Um euch das anschaulich zu machen lege ich euch das Weißbuch vom November 2016 ans Herz:

FROM LABORATORY TO ROAD
A 2016 UPDATE OF OFFICIAL AND ‘REAL-WORLD’ FUEL CONSUMPTION AND CO2 VALUES FOR PASSENGER CARS IN EUROPE

von Uwe Tietge, Sonsoles Díaz, Peter Mock, John German, Anup Bandivadekar (ICCT), Norbert Ligterink (TNO)

Hier im Netz zu finden: ICCT_LaboratoryToRoad_2016.pdf

Damit ihr das nicht alle alles lesen müsst, möchte ich euch zumindest drei Grafiken daraus hier vorstellen und etwas kommentieren.

Die EU verlangt ja, dass der Flottenverbrauch gesenkt wird und wenn es auch die (vor allem deutsche) Automobillobby immer wieder schafft Vorgaben aufzuweichen und Fristen zu verschieben, so bleibt die Richtung aber klar: PKWs sollen weniger CO2 emittieren. Um dies zu erreichen, muss man sparsame Motoren bauen - dies gelingt seit Jahren sehr gut.
Allerdings sollte man dann schlauerweise diese sparsamen Motoren in Fahrzeuge einbauen, die ihren Zweck erfüllen, ein paar Personen (eventuell mit Tasche oder Koffer) von A nach B zu bringen. Dann wäre da auch schon viel erreicht worden.
Wenn man aber diese sparsamen Motoren zu einem immer höheren Leistungsvermögen aufblasen muss, um den Herren den Schwanzvergleich in immer leistungsstärkeren Fahrzeugen zu ermöglichen und die Damen im Familienpanzer die Kinder zur Schule und sich selbst Einkauf fahren lässt, wird es schwer den realen CO2-Ausstoß zu reduzieren.

Die folgende Grafik zeigt, wie sich der CO2-Ausstoß in den letzten Jahren entwickelt hat:

 Grafik

Leider ging der Realausstoß nur sehr minimal zurück und ist im Grunde seit 2010 nahezu unverändert bei knapp 170 g/km. Zum Glück ist das bei den Daten der Hersteller nicht so, denn hier sehen wir eine kontinuierliche Reduktion der Emissionen von 170 zu 120 g/km von 2000 bis 2016. Toll! So hält die EU still.

Aber wie kommt die Industrie zu solchen Zahlen?

Dass es Unterschiede im Realverbrauch und den Herstellerangaben gibt, ist sicher nicht zu vermeiden und auch, dass der Realverbrauch immer etwas höher ist, als der Testverbrauch der Hersteller, sei vergeben und verziehen. So sind die Unterschiede bei den Daten von 2001 als "lässliche Sünden" wohlwollend vergeben, aber nicht vergessen.

Denn nur wenn man weiß, dass 2001 der Unterschied zwischen Herstellerangaben und realem Emissionen bei 8% lag, lässt sich die Dreistigkeit der aktuellen Manipulationen erkennen, bei denen die Abweichungen nun im Schnitt bei 40% liegen, worüber sich die ach so umweltfreundlichen Hybrid-Fahrzeug nochmals deutlich erheben, wie die folgende Grafik zeigt:

aa meinung verbrauch01

Und als ob das nicht genug wäre, gibt es - wie sollte es anders sein - bei den Herstellern besonders toller Produkte natürlich nochmals höhere Abweichungen. Aber wer seine Q-, M-, G- oder sonstwie genannten Panzer vermarkten und die EU besänftigen will, der muss halt noch mal etwas dreister sein.

Auch hierzu gibt es im Weißbuch eine tolle Grafik:

aa meinung verbrauch01

Man erkennt wunderbar, wie die Hersteller mit verbrauchsarmen Flotten, die auch noch das ein oder andere vernünftige Fahrzeug bauen, es einfach nicht nötig haben, in dem Maße zu bescheißen, wie die Panzer- und Rennwagen-Produzenten. Das heißt nicht, dass sie nicht schummeln, sie sind nur einfach nicht ganz so dreist, weil sie nicht so dreist sein müssen.

Und letztlich bei allem Ärger: Wären wir Verbraucher nicht die nützlichen Idioten, wäre es lange aus mit Mercedes, BWM, Audi und Co - jedenfalls, bei der aktuellen Produktpalette. Bei mir persönlich ist der geringe Verbrauch und damit niedrige CO2-Emissionen ein sehr wesentliches Kaufskriterium gewesen. Beim Kauf eines Diesel mit Euro-6-Norm hat man uns wohl aber mit gefälschten Feinstaub- und Stickoxid-Emissionen abgelinkt ...

Wo ist eigentlich der Unterschied zwischen deutschen Automobilproduzenten und der italienischen Mafia?

Oh, ich weiß: Die Mafia hat keine Rückendeckung von Herrn Dobrindt.

 

(Quellenangabe: alle Grafiken aus oben genannter Publikation)